Richtlinien für die Gründung neuer Gruppen 1932

Es meldet sich eine neue Gruppe!
Im St. Georgspfadfinder 1/1932 ist ein Artikel mit den geltenden Richtlinien zu diesem Thema erschienen.
Wörtliche Abschrift:

Es ist gewiss für jede bestehende Gruppe eine Freude, wenn sich in der Nachbarpfarre oder Dorf eine neue Gruppe bildet. Wir sind mit froher Begeisterung dabei, wenn diese neuen Pfadfinder so allmählich mit unserer Hilfe Form und Gestalt annehmen. Da sind schon große Opfer gebracht worden um, einer neuen Gruppe zu helfen beim Heimabend, um eine Fahrt oder ein Lager zu machen. Alle Achtung vor diesem Eifer unserer Jungen!
Wir müssen uns bei der Gründung und Aufnahme neuer Gruppen die von der Reichsstelle herausgegebenen Richtlinien innehalten und beachten.

Sie lauten:
1. Die neue Pfadfindergruppe (Stamm, Sippe) ist eine Abteilung des Jungmännervereins. Alle Pfadfinder müssen Mitglied des Vereins sein, seinen Verpflichtungen nachkommen und die Verbandszeitschriften beziehen.
2. Der Führer der Pfadfindergruppe gehört zur Vereinsführerschaft.
3. Die Gruppe bedarf der Bestätigung durch die Reichsleitung der Pfadfinderschaft, dieselbe schickt auf Wunsch den Anmeldebogen, der der Reichsleitung zwecks Anerkennung zugesandt wird.
4. Die Anerkennung einer Gruppe vollzieht die Reichsleitung, eine noch nicht anerkannte Gruppe darf keinen zum Versprechen zulassen.
5. Die Anerkennung kann von der neuen Gruppe selbst oder durch den Lfm. nachgesucht werden. Auf jeden Fall muss der vorgeschriebene Frage- und Anmeldebogen vom Präses und Führer unterschrieben der Reichsleitung vorliegen.
6. Stehen der Aufnahme und Anerkennung keine Bedenken im Wege, dann vollzieht die Reichsleitung die Anerkennung und Aufnahme.
7. Der Landesfeldmeister und die neue Gruppe selbst werden von der Aufnahme und Anerkennung benachrichtigt.
8. Solange diese von der Bundesleitung unterschriebene und gestempelte Karte nicht vorliegt, darf die Gruppe nicht als zur D.P.S.G. gehörig gezählt werden.
9. Die Vorbereitung der einzelnen Jungen auf das Versprechen dauert in der Regel 3 Monate, sie erstreckt sich auf das, was für die Jungpfadfinderprüfung erfordert wird (siehe grüne Ausweiskarte). Jungpfadfinderhefte sind im Jugendhaus zu haben. Den Prüfer für den Führer und die Jungen bestimmt die Reichsleitung oder der Landesfeldmeister. Die Pfadfinderkleidung darf von den einzelnen Jungen erst nach dem Versprechen getragen werden, desgleichen die Abzeichen.
10. Werbung. Pfadfinderei ist keine Massenbewegung. Darum werben wir nicht unter der großen Masse, sondern lassen die sich interessierenden Jungen an uns herankommen. Interessierte Jungen unterrichtet man klipp und klar über die Bewegung, damit nachher keine Enttäuschung für beide Seiten kommt.
11. Verhältnis zur Sturmschar. Wir weisen besonders darauf hin, weil sie vieles mit uns gemeinsam hat, da sie in manchen Dingen unserer Bewegung ähnlich ist, weil beiden Bewegungen im Verband eine besondere Aufgabe gestellt ist. Das Verhältnis soll ein gutes, ja herzliches sein. Treten Jungen aus der Sturmschar zur Pfadfinderschaft über, so prüfe man die Gründe gewissenhaft. Einzelne Jungen oder Gruppen, die aus der Sturmschar zur Pfadfinderschaft übertreten wollen, sollen erst nach 3 Monaten in die Pfadfinderschaft aufgenommen werden. Übertritte dürfen das Verhältnis nicht stören.
12. Man halte Wölflinge und Pfadfinder scharf auseinander. Es empfiehlt sich keineswegs mit beiden auf einmal zu beginnen, meist gedeiht dann auch beides nicht. Wölflinge sind keine Miniaturpfadfinder. Über die Wölflinge gibt es besondere Richtlinien und Bestimmungen, die ebenfalls von der Reichsstelle zu haben sind.
Wir bitten um sorgfältige Beachtung der Richtlinien. Nur dann wird die Pfadfindergruppe ein gesunder Reis am Baume des Vereins und ein lebendiges Glied in unserem Jugendreich.