Über den Tellerrand …

Gründungswegweiser Der Göttinger Kurat, Kaplan Bertram, gründete die Stämme in Schladen, Heiligenstadt und Duderstadt.

An dieses Stelle wird über die Gründung benachbarter Stämme berichten. Die Begeisterung für die Pfadfinderei in den Nachbarorten war riesig.
Anfang 1932 hatte die Reichsleitung umfangreiche Richtlinien für die Gründung und Aufnahme neuer Gruppen im St. Georgspfadfinder 1/1932 veröffentlicht. Hier wird sehr deutlich beschrieben, welche Schritte von der ersten Idee bis zur Anerkennung erforderlich waren. Da aus dieser Zeit die konkreten Termine der Stammesanerkennungen nicht immer bekannt sind, wird schlüssiger Weise die Veröffentlichung im St. Georgspfadfinder hierfür herangezogen.

„Und bald kamen, als wir einmal eine Fahrt nach meiner Heimat Duderstadt im Jahr 1932 gemacht hatten, die Bitten von dort und aus Heiligenstadt, auch dort Stämme zu gründen. Ich habe dann in beiden Städten Stämme gegründet, in Duderstadt unter dem prachtvollen Jugendseelsorger Stadtkaplan Eggers.“

Quelle: Brief Bertram




Stamm Schladen

Nach den Kontakten in Kassel im vergangenen Jahr schreibt Kaplan Bertram an anderer Stelle:

„Aufgrund der Kontakte bei dem Jugendtag in Hildesheim habe ich auf Bitten des dortigen Pfarrers Wittenberg, trotz meiner Bedenken wegen des allzu kleinen Dorfes, in Schladen den Stamm gegründet.“

  Im „St. Georgspfadfinder“ vom März 1932 ist unter der Angabe zu neuen Stämmen zu lesen:

Stämme, die direkt der Reichsleitung unterstellt sind:
Schladen (Harz),   Präses Pfarrer Wittenberg
Stammesführer Bernhard von Hees

 

Katholische Kirche Schladen

Die Vorbereitung auf die Stammesgründung war sicherlich genau so sorgfältig erfolgt, wie seinerzeit die Göttinger die Pfadfinderei erlernt hatten. Dazu gehörten Vorbereitungstreffen der Göttinger mit den Neulingen. Über einen genauen Ablauf dieser Vorbereitungsphase ist leider nichts überliefert.

Später im Jahr 1950 erinnert sich Bertram:

„Als ich dann von Göttingen nach Wolfenbüttel versetzt wurde (1933), habe ich den Stamm Schladen von dort aus weiter betreut. Dann kam die Nazizeit, der Führer Reinecke ging von Schladen fort und der Stamm schlief ein.“




Stamm Heiligenstadt

Die nächste Stammesgründung erfolgte in Heiligenstadt.

          Dazu die Hinweise im „St. Georgspfadfinder“ vom Mai 1932:

Folgender neuer Stamm ist der Reichsleitung direkt unterstellt:
Heiligenstadt,  Präses Vikar Schwedhelm
Stammesführer Georg Opfermann

 

Katholische Kirche Heiligenstadt

Auch hier sind sicherlich in den ersten Monaten des Jahres die Vorbereitungen aktiv von den Göttingern gestaltet worden. Bei den Darstellungen dieser Phase in Bezug auf die Gründung des Stammes in Duderstadt im folgenden Beitrag lässt sich der Ablauf in Heiligenstadt in etwa erahnen.
Auch ist in dem Beitrag das Gründungsfoto des Stammes Duderstadt zusammen mit den Pfadfindern aus Heiligenstadt und Göttingen zu sehen.

In dem Ausweis eines Pfadfinders aus Heiligenstadt sind die folgenden Termine dokumentiert:


Bannerweihe in Heiligenstadt
Am Sonntag, den 21. August, fand die feierliche Bannerweihe des Stammes Heiligenstadt statt. Außer den Göttinger Pfadfinder nahmen auch der Stamm Duderstadt daran teil.

Nach dem „St. Georgspfadfinder“ vom Dezember 1932 gehört der Stamm Heiligenstadt zur neu gegründeten Landespfadfinderschaft Fulda.

Ergänzung des Göttinger Chronisten:
Nach dem Kriegsende war Heiligenstadt durch den „Eisernen Vorhang“ von den befreundeten Stämmen getrennt und ein Kontakt war nicht möglich. Kaum war die Zeit der Nazidiktatur und ihrer Einheitsjugend, der HJ, überwunden, folgte fast nahtlos die neue Staatsjugend der DDR, die Freie Deutsche Jugend.
Nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990 wurde wieder ein Stamm der DPSG in Heiligenstadt gegründet.
Manfred Schmets, Göttinger Stammesmitglied und ehemaliger Stammesvorsitzender war einige Jahre als „Hauptamtlicher“ der DPSG in der Diözese Erfurt tätig.




Stamm Duderstadt

Er ist neben dem Stamm Göttingen und dem Stamm Schladen der drittälteste Stamm in der Diözese Hildesheim.
Über die Gründungsgeschichte berichtet die „Chronik für den katholischen Jünglingsverein in Duderstadt“:

Mittwoch, den 11. Mai 1932
Vor ca. 80 Jungschärlern, K.K.V.ern, Jungenschaftlern, Gymnasiasten und Kolpingsöhnen spricht Herr Kaplan Bertram, Göttingen, der mit 3 Pfadfindern anwesend ist, im Saal des Gasthauses zur Post in der Jüdenstraße über
„Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg“

Entstehung, Wesen, Chronik, Einrichtung werden den begeisterten Jungen klar.
Man ist bereit, eine Pfadfindergruppe zu begründen (Gymnasiasten und Werkjugendliche), K.K.V in der großen Gemeinschaft: „Schwarze Schar“, Sturmschar des Jungmännerverbandes und „Jungschar“.

Ansichtskarte der „Schwarzen Schar“ Duderstadt Postkarte der Schwarze Schar Duderstadt Postkarte der Schwarze Schar Duderstadt

 

Sonntag, den 19. Juni 1932
Nach wöchentlicher Instruktion findet am Sonntag, dem 19. Juni 1932 die Erprobung von 18 Neulingen für die Pfadfinderschaft statt. Alle bestehen (13 Gymnasiasten, 5 werktätige Jungen).
Um 5 Uhr ist bei Anwesenheit der Eltern und der Pfadfinder aus Göttingen und Heiligenstadt feierliche Aufnahme durch Herrn Kpl. Bertram. Im schneidigen Marsch geht's vom Laurentiusstift nachher zurück zum Jugendheim, wo eine phot. Aufnahme gemacht wird (siehe links).

Am 7.7.1932 ist die Bestätigung vom Bundesamt der DPSG in Duderstadt eingetroffen.

          Im „St. Georgspfadfinder“, Juli 1932 ist vermerkt:

neuer Stamm direkt der Reichsleitung unterstellt:
Duderstadt (Eichsfeld),     Präses Kpl. Eggers,
Stammesführer L. Leineweber

 

In den folgenden Jahren gab es immer wieder gemeinsame Veranstaltungen, die für die Stämme Göttingen, Heiligenstadt und Duderstadt dokumentiert sind und über die wir auch in der Folge berichten. Zu Kontakten mit dem Stamm Schladen gibt es leider keine derartigen Quellen.